Bericht

Gemeinschaftsgarten als Ort der Begegnung

Das „grüne Café Frix“ auf dem Gelände der Hector-Peterson-Schule in Berlin-Kreuzberg ist ein „My PlayGreen“-Projekt, das in Zusammenarbeit mit der KBF und Timberland realisiert werden konnte. Bereits seit vielen Jahren bietet die Jugendkunstschule FRI-X-BERG Kurse und Projekte für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 4 und 25 Jahren an.

Die Schule befindet sich im Stadtteil Kreuzberg, einem äußerst prekären sozialen Brennpunkt Berlins. Über 80% der Kinder und Jugendlichen kommen aus Familien, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind.

Sozialer Brennpunkt

Der eigene Kiez wird kaum verlassen, sozial leben die Kinder und Jugendlichen abgeschottet in ihrer „Community“. In einem Nebenbau der Schule bietet die Jugendkunstschule diesen Jugendlichen die Möglichkeit im Bereich der aktiven Kunst mit Malateliers, Fotografie-Kursen, Siebdruck, Tanz, Musik und Tanzperformance den öden Alltag zu vergessen und neue Lebensfreude zu kreieren. „Unsere Maßnahmen stoßen auf eine große Akzeptanz und Resonanz. Wir sind offen für alle und jeder, der sich für Kunst in den verschiedensten Facetten interessiert, findet bei uns neue, die Kreativität fördernde Betätigungsfelder“, erklärt der Leiter der Jugendkunstschule FRI-X-BERG, David Reuter. Doch neben der Förderung von Kreativität und der möglichen Eröffnung neuer Perspektiven bekommen die Sozialarbeiter durch diese Workshops einen niederschwefligen Einstieg um mit den Menschen in Kontakt zu kommen und deren Probleme besser zu verstehen um somit auch gezielt Lösungsansätze zu finden.

…ins Gespräch kommen

Mit Hilfe von Timberland konnte in den vergangenen Monaten das „Grüne Café“ geschaffen werden, das die Schnittmengen von Generationen, Kulturen und sozialen Schichten erweitern helfen soll. Es handelt sich hierbei um eine von und mit Kindern und Jugendlichen geschaffenen Gartenanlage, ohne Barrieren und Vorurteile, an dem Natur gespürt und gelebt werden kann. „Das Café ist bereits nach kurzer Zeit zu einem Ort geworden, an dem sich die verschiedenen Welten begegnen und respektieren lernen“, erklärte David Reuter weiter.

Die neu geschaffene "Natur zum Anfassen“ inmitten einer Metropole ist für die meisten eine neue Erfahrung, ja eine völlig neue Lebenswelt, die mitunter auch „Lust auf mehr“ schürt. Im ersten Projektmodul wurde die Aufschüttung der Fläche mit Humuserde, sowie die Anpflanzung von Beeren, Hortensien und Blumen mitsamt dem Anlegen einer Wildkräuterwiese im Rahmen eines WAT-Kurses (Wirtschaft-Arbeit-Technik) realisiert. In einer zweiten Projektphase wurden Pflanztaschen sowie Kartoffelsäcke installiert und mit Kräutern und Naschobst befüllt. Die Kinder und Jugendlichen übernahmen Patenschaften über diese Pflanzen. Dadurch wurden sie spielerisch für die Natur und den Naturschutz sensibilisiert.

Eigenes Obst naschen

„Die Pflanztaschen im Außenbereich sind ein offener, für jedermann zugänglicher „Naschgarten“. Unser Ziel, die Schaffung eines altersgemischten Angebots wurde erreicht, worauf wir sehr stolz sind, erhoffen wir doch dadurch ein probates Mittel zur Nachhaltigkeit und Langlebigkeit unseres Projektes“, erklärte David Reuter weiter. Im dritten Projektmodul sollen bepflanzbare Keramikfliesen mit eigenem Bewässerungssystem die Schulwandseite verschönern.

Neben der Schaffung einer Gartenanlage legten die Initiatoren großen Wert auf Eigeninitiative und Mitverantwortung. „Nur wenn die Menschen dieses Projekt tragen und mitmachen, kann sich mittel- und langfristig Erfolg einstellen indem man gemeinsam einem Hobby nachgehen kann, bei dem keinerlei soziale Hemmschwellen vorherrschen. Und hier, glaube ich, konnten wir erste Erfolge verbuchen und aus einem brachliegenden 400 qm großen Gelände ein grünes Schmuckstück zaubern“, so Reuter. Ziel der Maßnahme ist es auch, eigenes Gemüse mit vereinten Kräften anzubauen und somit dann auch die Ernte entsprechend wertzuschätzen.

Natur neu wertgeschätzt

„Beete, Hochbeete, Hängebeete und alles andere werden in Eigenregie gebaut . Jeder ist stolz über das Geleistete und Geschaffene und trägt dazu bei, dass die Ernte gut wird“. In diesem Herbst ist es zum ersten Mal spannend, wenn die Kartoffel, Tomaten- und Obsternte eingefahren werden kann. Geplant ist zudem ein „Rollendes Café“ mit Wasseranschluss, Kühlschrank und einem kleinen Verkaufstresen um den fleißigen Helfern Kaffee und Getränke zu verkaufen.

„Wir sind recht zufrieden, da das Projekt bereits weite Kreise zieht und andere Akteure mit auf den Plan gerufen haben. Diese Partizipation und Akzeptanz ist für Sozialprojekte dieser Art besonders wichtig. So besteht ein enger Kontakt zu einem Imker, der einen Bienenstock zur Verfügung stellt, damit unsere Pflanzen und Bäume auch entsprechend bestäubt werden können. Die Kinder und Jugendlichen indes können dann beiläufig in die Faszination der Imkerei eintauchen und vor Ort produzierten Honig aus der Wabe naschen“, so David Reuter weiter.

Dieses wachsende Verständnis mache sich auch im Umgang mit dem Areal bemerkbar: „Früher wurde das Gelände oft als Müllhalde missbraucht wo alles unüberlegt hingeworfen wurde. Überall lagen Verpackungen, Flaschen und Unrat. Plötzlich achten die Besucher mehr auf den Unterhalt. Der Respekt vor der Natur ist zurückgekehrt“, meint der Leiter von FRI-X-BERG. Somit liegt das Projekt zeitlich voll im Soll. „Eigentlich hätten wir mit fünf Jahren bis zum Erreichen einer gewissen Nachhaltigkeit gerechnet. Dass das viel früher geschieht ist umso besser und zeugt von dem wachsenden Interesse“.

„Hier konnten wir erste Erfolge verbuchen und aus einem brachliegenden 400 qm großen Gelände ein grünes Schmuckstück zaubern.“
David Reuter
Leiter der Jugendkunstschule FRI-X-BERG

Die Anschubhilfe der KBF und Timberland lockte bereits andere Partner an. „Eltern, Schulverwaltung und Stadt stehen voll hinter dem Projekt, so dass wir voller Optimismus in die Zukunft blicken. Auch sollen die Gärten in Zukunft im Rahmen von Unterrichtsprojekten von der Charlotte-Salomon-Grundschule intensiv im Rahmen von „Grünen Klassen“ genutzt werden. Unser Garten ist mittlerweile nicht nur ein Aufenthaltsort für Kinder und Jugendliche, sondern ist zum Treffpunkt der Nachbarschaft geworden“, stellte David Reuter klar.

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